Gott und der Tsunami

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Hier ein kurzer Gedanke meines Vaters, Herrn Prof. Dr. Helmut Moritz (siehe auch: http://www.helmut-moritz.at) zum Theodizee-Problem: Ist unsere Sprache geeignet, über Gott nachzudenken? Ist es berechtigt, Gottes Güte angesichts von Tragödien anzuzweifeln? Mit welchen Worten könnten wir Gott und sein Wirken beschreiben? – Der Beitrag wurde im Februar 2005 für die Nachrichten unserer Pfarre Graz Kroisbach verfasst. Ich freue mich, ihn hier noch einmal aufgreifen und veröffentlichen zu können.

Vor zwei Wochen war ich eingeladen, in Wien über Erdbeben und Tsunamis zu sprechen. In der Diskussion kam dann die aktuelle Frage, wie ein guter Gott ein so schreckliches Ereignis zulassen könne wie einen Tsunami, ein Seebeben, das fast 300.000 Menschen das Leben kostete. Ich wollte mich in keine theologische Frage einlassen, zu der ich als Naturwissenschaftler nicht qualifiziert bin. Ich sagte nur, dass mich vor zwei Jahren ein für mich schreckliches Ereignis traf, und ich dann das Lieblingsbuch meiner Frau, das Buch Ijob, las. Das Ergebnis war: ich wurde getröstet. Die Reden, in den Gott den Ijob und seine Freunde abkanzelte wie Schulbuben, öffneten meine Augen und machten mich geradezu heiter. Wer bin ich, dass ich Gott zur Rechenschaft ziehen wollte? Bei Jesaja heißt es: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege – Spruch des Herrn.“

Nun ist unsere Sprache tatsächlich nicht geeignet, Göttliches exakt auszudrücken. Man kann über Ihn nur in Gleichnissen reden. Jeder Katechismus ist ein Versuch, das Unsagbare zu sagen. Wenn man das bedenkt, kann er sehr hilfreich sein; wörtlich genommen, kann er für den Außenstehenden unverständlich wirken.

Mit der gewöhnlichen Sprache kann man über alltägliche Dinge reden; über das Wetter, die Gesundheit, das Essen und das Geld. Die Mathematik hat eine wunderbar präzise Formelsprache entwickelt und den Begriff des Unendlichen geprägt. Vor der Unendlichkeit Gottes wird aber auch sie stumm.

In der Mathematik kann man beweisen; Gottes Existenz kann man nicht im selben Sinne „beweisen“. Das liegt nicht an Gott, sondern an der Armseligkeit unserer Sprache und unserer Gedanken. Gegenstände existieren, aber Gott ist kein Gegenstand wie dieser Baum, dieses Haus oder die wenigen Euro, die ich gerade in der Tasche habe. Für die Existenz Gottes kann ich kann man mehr oder weniger plausible Argumente finden, die für mich selbstverständlich sind, für andere Wissenschaftler, die oft viel klüger sind, merkwürdigerweise aber nicht.

Die Richter und Rechtsanwälte mögen sich ihrer scharfsinnigen Argumente rühmen, bei Jesus hatten sie noch weniger Erfolg als Ijob. Unser Glaubensbekenntnis ist ein Gebet, nicht eine Aussage vor Gericht. Mit der Allmacht Gottes kann man seinen Spott treiben wir schon beim Prozess Jesu: „Wenn Gott unendlich gut ist, müsste er sofort alles Böse, alle Krankheiten, alle Kriege und alle Tsunamis abschaffen; er kann es doch, er ist ja allmächtig.“ Gott hat das Böse nicht geschaffen, er hat unsere schöne, aber unendlich komplexe Welt und unsere zerbrechliche Freiheit geschaffen. Gott schuf die Welt und sah, dass „alles sehr gut war“ (Genesis). Wenn ich wieder unsere Sprache missbrauchen darf, er hat Respekt vor der Freiheit des Menschen, auch dann, wenn er sündigt, und er hat Respekt vor seiner eigenen Schöpfung, denn er greift nicht plump in ihren Ablauf ein, um diesen nicht zu stören.

Welche Worte unserer armen Sprache kommen einem solchen Verhalten nahe? Ich meine, nicht so sehr die Worte „gut“ und „mächtig“, sondern „gütig“ und „weise“. „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“, lesen wir im Titusbrief.

(c) Helmut Moritz, 7. Februar 2005

Picture: Katsushika Hokusai, Under the Wave off Kanagawa (ca. 1830–32)

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Pope Francis: The Holy Spirit and the Care for Creation

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Pope Francis said today, during the General Audience:

The Holy Spirit nurtures hope not only in the heart of men, but also in all creation. The apostle Paul says that even creation “waits with eager longing” for liberation and groans and suffers as in the pain of childbirth (cf Rm 8:20-22). “The energy capable of moving the world is not an anonymous and blind force but the action of the ‘Spirit of God… moving over the face of the waters’ (Gn 1: 2) at the beginning of the Creation” (Benedict XVI, Homily, 31 May 2009)

litter in Nature

And he continued:

This too leads us to respect creation: one cannot besmirch a painting without offending the artist who created it.

Let the upcoming feast of Pentecost find us harmonious in prayer, with Mary, Mother of Jesus and our Mother. And may the gift of the Holy Spirit make us abound in hope.

read the whole text: General Audience, 31 May 2017

Picture in the Header: Detail from the St. Marc’s Cathedral in Venice

Emmaus

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christus mit jüngern in emmaus franz weiss 1971.jpg

Christus and the disciples at Emmaus, Franz Weiß, 1971

But they urged him, “Stay with us, for it is nearly evening and the day is almost over.”
So he went in to stay with them.

And it happened that, while he was with them at table, he took bread, said the blessing,
broke it, and gave it to them.

With that their eyes were opened and they recognized him,
but he vanished from their sight.                  
(Lk 24,29-31)

Franz Weiss (1921 – 2014) was an academic painter and sculptor from the Western part of Styria. He has been working as an independent artist since 1951. His œuvre covers an astounding wide range of topics and techniques, mainly sacral works of art and major commitments in public space, including altar-pieces, the decoration of churches and chapels, shrines at the wayside, crosses and tombstones, historical cycles in various techniques, murals al fresco and al secco, painting on panel and canvas, reverse glass-painting and watercolours, woodcuts, enamels, reliefs of bossed copper, mosaics, and stained-glass windows as well as sculptures of wood and stone.

Georges Lemaitre – der Physiker vor dem „Verborgenen Gott“

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Georges Lemaitre war überzeugter Wissenschaftler und überzeugter Priester. Er sah keinen Konflikt zwischen Wissenschaft und Glaube, denn er trennte die Kategorie der „Physik“ klar von jener der „Metaphysik“. Durch die Beschreibung des Wirken Gottes als einem Gott, der sich verbirgt, zeigt er uns, dass die moderne Kosmologie weder Gottes Wirken belanglos macht, noch leistet er einer Haltung Vorschub, die Gott als ” einen weiteren innerweltlichen Akteur“ sehen will.

In den 1920er Jahren entwickelte Georges Lemaitre, der junge belgische Astronom mit Priesterkragen, seine Theorie zur Entstehung des Universums. Er postulierte ein “Uratom” ohne Zeit, Raum und Materie. Das Universum entstand im Bruchteil einer Sekunde und blähte sich demnach wie ein Luftballon immer weiter auf, während darin in einem kosmischen Feuerzauber Sterne und ganze Galaxien entstanden.

Während der Solvay Konferenz im Oktober 1927 traf Albert Einstein auf Georges Lemaitre, der ihm seine Hypothese präsentierte. Die neue Hypothese gefiel Einstein nicht, sie erinnerte ihn zu sehr an das „Dogma der Schöpfung“ wie er sagte. Er verwies Lemaitre aber auf eine Arbeit des inzwischen verstorbenen Russen Alexander Friedmann, der 1922 einen Artikel geschrieben hatte „Über die Krümmung des Raums“ (On the curvature of space). Die Überlegungen von Friedmann hatte Lemaitre selbst bereits angestellt und war noch weit über sie hinausgegangen.

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John Henry Newman’s Prayer for the Church – that only exists in German

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Hint: It was falsely attributed to him

Some years ago, in troubled times, I found this prayer by Bl. John Henry Newman:

O Gott,
die Zeit ist voller Bedrängnis,
die Sache Christi liegt wie im Todeskampf.
Und doch –  nie schritt Christus mächtiger durch diese Erdenzeit,
nie war sein Kommen deutlicher,
nie seine Nähe spürbarer,
nie sein Dienst köstlicher als jetzt.Darum lasst uns in diesen Augenblicken des Ewigen,
zwischen Sturm und Sturm,
in der Erdenzeit zu Dir beten:O Gott,
Du kannst das Dunkel erleuchten,
Du kannst es allein!

(Kardinal John Henry Newman)

O God,
the time is full of distress,
the cause of Christ is like in agony.
And yet – never did Christ walk more powerfully through this time on earth,
Never was His coming clearer
never His proximity more noticeable,
never His service more precious than now.
Let us then in these moments of the Eternal,
between storms,
in this time on Earth pray to you:
O God,
You can illuminate the darkness,
You can do it alone!(Cardinal John Henry Newman)
[translation mine]

It gave me a lot of peace, and took me on a path of discovery, since a friend had already suggested that I read his autobiography “Apologia pro vita sua”. Within, I learned to know a personality who in the depths of his heart was always reaching for the truth. He was someone with a profound piety, the gift of friendship and pastoral care, apostolic zeal, and a high intellectual capacity. He started out as an Anglican clergyman, where he wrote the wonderful poem known to Anglicans and Catholics alike entitled, “Lead, kindly light”, when feeling lonely on his way back to England from Rome. Upon his return from this Continue reading

Franz von Assisi, Patron der Ökologie

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In “Laudato Si” weist uns Papst Franziskus einen Weg: durch  Einheit mit Gott, durch das Streben nach Heiligkeit zum richtigen Verhältnis zur Natur und Umwelt:

„Die Harmonie zwischen dem Schöpfer, der Menschheit und der gesamten Schöpfung wurde zerstört durch unsere Anmaßung, den Platz Gottes einzunehmen, da wir uns geweigert haben anzuerkennen, dass wir begrenzte Geschöpfe sind. Diese Tatsache verfälschte auch den Auftrag, uns die Erde zu „unterwerfen“ (vgl. Gen 1,28) und sie zu „bebauen“ und zu „hüten“ (vgl.Gen 2,15). Als Folge verwandelte sich die ursprünglich harmonische Beziehung zwischen dem Menschen und der Natur in einen Konflikt (vgl. Gen 3,17-19). Darum ist es bedeutungsvoll, dass die Harmonie, in der der heilige Franziskus von Assisi mit allen Geschöpfen lebte, als eine Heilung jenes Bruches interpretiert wurde. Der heilige Bonaventura sagte, dass Franziskus, „da er mit allen Geschöpfen in Frieden war“, wieder in „den Zustand vor der Ursünde“ gelangte. Weit von diesem Vorbild entfernt, zeigt sich die Sünde heute mit all ihrer Zerstörungskraft in den Kriegen, in den verschiedenen Formen von Gewalt und Misshandlung, in der Vernachlässigung der Schwächsten und in den Angriffen auf die Natur.“ (LS 66)

Ein starkes und kräftiges Bild – ja wohl auch mehr, ein Programm:  Franziskus schreitet  gleichsam in den Zustand der ursprünglichen Harmonie zwischen Gott, Mensch und Mit-Geschöpf „zurück“ – das Ziel vor sich. Und gerade darin besteht auch die „ökologische Umkehr“, die der Papst von jedem von uns einfordert. Nicht nur ein einmaliges „Ja“ zur guten Sache, sondern eine beständige Bemühung, dieses harmonische Miteinander in unserem Leben anzustreben, in unsere Entscheidungen miteinzubeziehen. Und zwar nicht nur als „gute Sache“, sondern als Bestandteil des „guten“, des „richtigen“ Lebens.

Medieval Polyptych – from the Passion of Christ to Pentecost

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Alte Galerie

This altarpiece is in the Alte Galerie, Graz, Styria. In the middle ages, winged altars served the purpose to explain the bible to the faithful (printed books came later). Often, panels were painted on the front and the back and could be folded according to the liturgical season (displaying the Passion of Christ in Lent and other scenes from Christ’s life during the rest of the year).
I liked this particularly because it brings Christ’s Passion, Death and Resurrection and Christ’s sending the Holy Spirit at Pentecost into a unity.