Georges Lemaitre – der Physiker vor dem „Verborgenen Gott“

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Georges Lemaitre war überzeugter Wissenschaftler und überzeugter Priester. Er sah keinen Konflikt zwischen Wissenschaft und Glaube, denn er trennte die Kategorie der „Physik“ klar von jener der „Metaphysik“. Durch die Beschreibung des Wirken Gottes als einem Gott, der sich verbirgt, zeigt er uns, dass die moderne Kosmologie weder Gottes Wirken belanglos macht, noch leistet er einer Haltung Vorschub, die Gott als ” einen weiteren innerweltlichen Akteur“ sehen will.

In den 1920er Jahren entwickelte Georges Lemaitre, der junge belgische Astronom mit Priesterkragen, seine Theorie zur Entstehung des Universums. Er postulierte ein “Uratom” ohne Zeit, Raum und Materie. Das Universum entstand im Bruchteil einer Sekunde und blähte sich demnach wie ein Luftballon immer weiter auf, während darin in einem kosmischen Feuerzauber Sterne und ganze Galaxien entstanden.

Während der Solvay Konferenz im Oktober 1927 traf Albert Einstein auf Georges Lemaitre, der ihm seine Hypothese präsentierte. Die neue Hypothese gefiel Einstein nicht, sie erinnerte ihn zu sehr an das „Dogma der Schöpfung“ wie er sagte. Er verwies Lemaitre aber auf eine Arbeit des inzwischen verstorbenen Russen Alexander Friedmann, der 1922 einen Artikel geschrieben hatte „Über die Krümmung des Raums“ (On the curvature of space). Die Überlegungen von Friedmann hatte Lemaitre selbst bereits angestellt und war noch weit über sie hinausgegangen.

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Schöpfung und Evolution, reloaded

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[Am 3. März 2016 ist in kath.net mein Gastkommentar “Schöpfung und Evolution, reloaded” erschienen, als Antwort auf die Kolumne  „Intelligent Design, reloaded“ von Dr. Marcus Franz, kath.net, 18. Februar 2016. Dieser Beitrag soll  zeigen, dass es Zeit ist, das „Intelligent Design“- Modell  ad acta zu legen und uns Thomas von Aquin erneut zuzuwenden.]

2016-01-18 creationFinding Design in Nature – das war der Titel des Gastkommentars von Kardinal Christoph Schönborn im Juli 2005 in der New York Times. In der deutschen Übersetzung: „Den Plan in der Natur entdecken“. Das im Jahr 2007 erschienene Buch von Kardinal Schönborn heißt „Ziel oder Zufall?“ In allen Fällen geht es um um den griechischen Begriff des „telos“. Die Diskussion begann im englischen Sprachraum, und hier sind ideengeschichtliche Hintergründe zu berücksichtigen. Im Englischen verbindet man mit „telos“ zunächst „design“, „purpose“ (Zweck) und erst später denkt man an „finality“ (Zielgerichtetheit). Während wir in unserem Sprachraum den teleologischen Gottesbeweis mit dem 5. Weg des hl. Thomas von Aquin gleichsetzen, wird im Englischen das „teleological argument“ gleichgesetzt mit „argument from design“, und zumeist meint man damit das bekannte Bild vom göttlichen Uhrmacher, das der anglikanische Theologe William Paley, zwar von anderen übernommen, aber meisterhaft, ganz in der Tradition der englischen Natürlichen Theologie stehend, ausgebaut hatte: Lebewesen sind kompliziert gebaute Mechanismen, gut abgestimmt auf ihre Umwelt und ihre Funktion, und können einfach nur durch das Eingreifen Gottes erklärt werden. Charles Darwin war in seiner Jugend fasziniert von William Paley, doch kehrte er sich später immer deutlicher davon ab. Warum? Neben dem Schönen und Sinnhaften gibt es auch Baufehler, Krankheiten, Parasiten, es gibt eben auch “Natur, Zähne und Klauen blutigrot”. Und die passen gar nicht zum fehlerlosen Design dazu. Continue reading

BIG BANG, NEW THEORIES and the CREATION of the UNIVERSE

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[written in September 2013 for Science meets Faith]

Do new cosmological theories challenge our worldview or our faith?

Big Bang

Artist’s conception of the event horizon of a black hole. [1]

Recently a  group of theoretical physicists suppose the birth of the universe could have happened after a four-dimensional (4-D) star collapsed into a black hole and ejected debris. This is highly theoretical, of cause, mainly this assume a 4-D “bulk universe” with 4-D stars that can form 4-D black holes similarly to 3-D stars forming 3-D black holes… [1]

The Big Bang theory proposes a beginning of our Universe: an idea that suits theists well, and Christians are inclined to say: “OK, this IS the moment of creation!” But is this correct? There is probably none better than Georges Lemaître to tell us: he was not only a famous Astronomer, but also a Catholic Priest. Continue reading